Suhrkamp und der Insolvenzplan – eine unendliche Geschichte?

Vor der Insolvenzplanbestätigung ist kein Minderheitenschutzantrag nach § 251 InsO erforderlich, damit eine Beschwerde gegen die Bestätigung eines Insolvenzplans zulässig ist. Eine solche Beschwerde hat (nur) den besonderen Voraussetzungen des § 253 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 InsO zu genügen.

So hat der Bundesgerichtshof über die Rechtsbeschwerden der Medienholding AG Winterthur im hier vorliegenden Insolvenzplanverfahren der Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG entschieden, die Beschlüsse des Landgerichts Berlin aufgehoben und die Sache an das Landgericht Berlin zurückverwiesen. Über das Vermögen der Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG, die einen deutschen Literaturverlag betreibt, wurde am 6. August 2013 auf ihren Antrag das Insolvenzverfahren eröffnet. An der Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG sind als Kommanditisten die Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung mit 61 v.H. und die Medienholding AG Winterthur (nachfolgend Medienholding), deren Gesellschafter und Geschäftsführer Ernst Barlach ist, mit 39 v.H. beteiligt. Die Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG legte einen Insolvenzplan vor, der ihre Umwandlung in eine Aktiengesellschaft unter gleichbleibender Beteiligung ihrer bisherigen Gesellschafter vorsieht. Diesen Insolvenzplan hat das Insolvenzgericht bestätigt. Die dagegen eingelegte sofortige Beschwerde der Medienholding hat das Landgericht Berlin1 als unzulässig zurückgewiesen, weil die Medienholding vor der Bestätigung des Insolvenzplans keinen Minderheitenschutzantrag nach § 251 InsO gestellt hatte. Zusätzlich hat es die Beschwerde durch weiteren Beschluss vom 14. April 2014 aus Gründen der Vorrangigkeit des Vollzugs des Insolvenzplans zurückgewiesen2253 Abs. 4 InsO). Auf die Rechtsbeschwerde der Medienholding hat nun der Bundesgerichtshof seine Entscheidung getroffen:

Nach Auffassung des Bundesgerichtshofs ist die sofortige Beschwerde gegen den Beschluss vom 21./24. Februar 2014 nicht wegen eines unterlassenen Minderheitenschutzantrags (§ 251 InsO) unzulässig. Eine Beschwerde gegen die Bestätigung eines Insolvenzplans hat (nur) den besonderen Voraussetzungen des § 253 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 InsO zu genügen. Danach muss der Beschwerdeführer dem Insolvenzplan spätestens im Abstimmungstermin widersprochen (§ 253 Abs. 2 Nr. 1 InsO) und gegen den Plan gestimmt haben (§ 253 Abs. 2 Nr. 2 InsO) sowie glaubhaft machen (§ 253 Abs. 2 Nr. 3 InsO), dass er durch den Insolvenzplan schlechter gestellt wird, als er ohne ihn stünde. Das Gesetz verlangt dagegen nicht, dass bereits vor der Planbestätigung ein Minderheitenschutzantrag nach § 251 InsO bei dem Insolvenzgericht gestellt wurde.

Der Beschluss vom 14. April 2014 war allein deshalb aufzuheben, weil das Landgericht seine Entscheidung vom 21./24. Februar 2014 nicht nachträglich abändern durfte. Das Landgericht hat nunmehr umfassend über die Zulässigkeit und Begründetheit der sofortigen Beschwerde der Medienholding zu befinden.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 17. Juli 2014 – IX ZB 13/14

  1. LG Berlin, Beschluss vom 24.02.2014 – 51 T 107/14
  2. LG Berlin, Beschluss vom 14.04.2014 – 51 T 107/14